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Rosa-Luxemburg-Stiftung: Erstellung einer wissenschaftlichen Studie, 27.11.

Erstellung einer wissenschaftlichen Studie

«Nach dem NRW-Schulkonsens – wie weiter auf dem Weg zu einer Schule für alle?» (Bewerbungsschluss: 27.11.2015)

Die Rosa-Luxemburg-Stiftung schreibt die Vergabe einer wissenschaftlichen Studie zur Situation und den Zukunftsperspektiven des Schulsystems in Nordrhein-Westfalen in Höhe von 20.000 € aus. Der Auftrag wird als Werkvertrag (ohne Mehrwertsteuer) erteilt. Die Vergabe erfolgt bis zum 14.12.2015, über die Vergabe entscheidet eine Kommission. Die Fertigstellung der Studie wird bis spätestens 30.05.2016 erwartet. Sie soll im Herbst 2016 im Rahmen einer größeren Konferenz vorgestellt werden.

Inhaltliche Prämissen und Problemsichten:

1. Eine Schule für alle oder ein gegliedertes Schulsystem – darüber gibt es nach wie vor keinen gesellschaftlichen Konsens. Doch Schulen des gemeinsamen Lernens stoßen heute auf mehr Zustimmung als noch vor Jahren. Die Schülerschaft wird heterogener, einerseits, weil immer mehr Schülerinnen und Schüler ihre Wurzeln in anderen Herkunftsländern haben und Schule und Gesellschaft sich auf die wachsende Vielfalt anders einstellen müssen als durch Absonderung und Ausschluss. Gleiches gilt für Kinder mit körperlichen und psychischen Beeinträchtigungen. Andererseits braucht es für die Teilnahme am gesellschaftlichen Leben ebenso wie für die gestiegenen beruflichen Anforderungen höhere Qualifikationen nicht nur für einige, sondern für möglichst alle Kinder und Jugendlichen. Es ist zu fragen, wieweit die Schulpolitik es schafft, Fortschritte in Richtung Gesamtschulen und gemeinsamem Lernen zu erreichen.

2. Der 2011 in Nordrhein-Westfalen geschlossene „Schulkonsens“ sollte die Luft aus dem Streit um Schulformen nehmen. Er schreibt das Nebeneinander von gegliederten Schulen und Formen des gemeinsamen Lernens fest. Sekundarschulen konnten eingerichtet werden und die Bedingungen für Gesamtschulgründungen wurden etwas erleichtert. Die Landesregierung traf keine schulpolitischen Strukturvorgaben: Die Gemeinden müssen selbst entscheiden, ob sie stärker auf Gesamtschulen, Sekundarschulen oder auf Gymnasien und Realschulen setzen.

In den Leitlinien des „Schulkonsenses“ wird betont, dass nicht Strukturfragen im Mittelpunkt stehen sollen, sondern es wird die „individuelle Förderung“ als pädagogisches Grundprinzip festgeschrieben, um die „Leistungspotentiale unserer Kinder“ besser zu entwickeln. Die soziale Herkunft soll keine Rolle spielen. Das Thema Schulpolitik und Bildungschancen wird mit Sicherheit auch weiterhin in den politischen Debatten eine wichtige Rolle spielen. Damit zusammen hängen auch die aktuellen Probleme wie die Durchführung der Schulzeitverkürzung (G8 vs. G9), Inklusion – in einem auf Exklusion angelegten Schulsystem – und die Umsetzung der Ganztagsschulen.

Anforderungen an die Erarbeitung der Studie:

Am Beispiel zwei spezifischer Regionen, einer kreisfreien Stadt und eines Landkreises, soll in der Studie die Schulentwicklung analysiert werden. Ausgangspunkt einer kritischen Bilanz sollte die Aufarbeitung und Fortschreibung des Berichts der Landesregierung „Zwei Jahre Schulkonsens“ sein. In der Studie soll die Schulentwicklung seit dem „Schulkonsens“ auf ihre Wirksamkeit im Hinblick auf verbesserte Lernmöglichkeiten untersucht werden. Gibt es positive Veränderungen hinsichtlich der Möglichkeiten:

  • einen Bildungsgang zu wählen, der zur Hochschulreife führt,
  • einen Bildungsgang des „gemeinsamen Lernens“ zu wählen,
  • hinsichtlich der Verbesserung des Schul- und Bildungsangebots für bisher benachteiligte Gruppen in Stadtvierteln und Regionen,
  • einer besseren Förderung in den Schulen, etwa durch Inklusion und einem Ganztagsangebot.

Die Schulentwicklung soll am Beispiel einer kreisfreien Stadt und eines Landkreises untersucht werden. Dabei sollte innerhalb der Gemeinden auch noch nach der jeweiligen Sozialstruktur von Quartieren unterschieden werden. Die Gemeinden sollen von der politischen und sozialen Zusammensetzung unterschiedlich, aufgrund ihrer Typisierung mit anderen Gemeinden jedoch vergleichbar sein. Es sollte eine Schulentwicklungsplanung vorhanden sein, die sich für die Studie als Datenbasis nutzen lässt.

Leitfragen:

  • Wie hat sich das Schulangebot am Ort nach/durch den „Schulkonsens“ verändert?
  • Wie laufen die Entscheidungsprozesse für Schulgründungen und -schließungen zwischen den jeweiligen Akteuren?
  • Welche Faktoren spielen in diesen Prozessen eine Rolle (Elternwille, politische Kräfteverhältnisse, kommunale Finanzen und sonstige infrastrukturelle Voraussetzungen)?
  • Wie entwickelt sich die Schulsituation für die Kinder und Jugendlichen unter dem Gesichtspunkt der Bildungschancen?
  • Wird die Nachfrage nach integrativen Schulformen befriedigt?
  • Wird in den „Schulen des längeren gemeinsamen Lernens“ auch integrativ gearbeitet?
  • Wie gehen die Schulen mit der kulturellen und sprachlichen Heterogenität ihrer Schülerschaft um?
  • Inklusion – Welche Schulen arbeiten inklusiv? Wie entwickelt sich der Bestand an Förderschulen?
  • Wie verteilen sich die Schulformen hinsichtlich der sozialen Zusammensetzung der Stadtteile und Gemeinden? Verbessert sich das Schulangebot in den sozial schwächeren Regionen?
  • Wie entwickeln sich die Übertrittsquoten zu den verschiedenen weiterführenden Schulen, mit Abitur/ohne Abitur?
  • Welche Rolle spielen die Berufskollegs für die allgemeine Schulbildung?
  • Wie entwickelt sich das Ganztagsangebot in den weiterführenden Schulen?

Im Abschlussteil der Studie sollten die empirischen Befunde zusammengefasst und bewertet werden. Dabei wird außerdem ein Vergleich der Schulkonzepte Nordrhein-Westfalens und Niedersachsens erwartet.

Die Studie soll Grundlage für eine politische Diskussion sein, wie die Schullandschaft in Nordrhein-Westfalen so umgestaltet werden kann, dass sie den Anforderungen an gemeinsames Lernen, der Förderung von Kindern unterschiedlicher sozialer Herkunft und unterschiedlicher Herkunftssprache sowie einer Öffnung der Wege zur Hochschule gerecht wird.

Ihre Bewerbung mit einer aussagekräftigen Forschungskonzeption richten Sie bis zum 27.11.2015 an: Lucie Billmann; billmann@rosalux.de; Rosa-Luxemburg-Stiftung, Franz-Mehring-Platz 1, 10243 Berlin.

Veröffentlicht inBildung / LehreStellenarchiv
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