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Autonomes Frauenzentrum Potsdam: Gutachter*in zur Durchführung einer Genderanalyse für den Bereich Wohnungspolitik, 7.8.

Autonomes Frauenzentrum Potsdam: Gutachter*in zur Durchführung einer Genderanalyse der Wohnungspolitik Potsdams

Genderanalyse für den Bereich Wohnungspolitik der Landeshauptstadt Potsdam: Ziel der Analyse ist es, die vielfältigen geschlechterpolitischen Dimensionen im Themenfeld Wohnen bewusst zu machen. Es geht uns um eine nachhaltige, inklusive und geschlechterdemokratische Wohnungspolitik. Hierfür sollen geschlechterpolitisch sensible Handlungsansätze entwickelt werden.

Nutzer*innen sind die Mitarbeitenden des Frauenzentrums Potsdam und darüber hinaus alle im Bereich Wohnen tätigen Potsdamer Akteur*innen: Kommunalpolitiker*innen und Fraktionär*innen der Potsdamer Stadtverordneten Versammlung, die relevanten Akteur*innen in der Verwaltung, die Angebotsstruktur (Träger, Einrichtungen, etc.), die entsprechenden Bündnisse und Arbeitskreise zum Thema sowie weitere relevante Akteur*innen der Stadtgesellschaft.

Methodik

Die Genderanalyse soll eine komprimierte Darstellung der ideologischen und institutionellen Bedingungen umfassen, die die Wohnrealitäten der Potsdamer*innen prägen. Der Analysefokus liegt dabei vornehmlich auf Rollen, Rechten und Ressourcen. Darüber hinaus sollen Machtverhältnisse zwischen den Geschlechtern, sowie die Wechselwirkungen mit anderen gesellschaftlichen Variablen in den Blick genommen werden. Als methodische Grundlage für die Genderanalyse empfehlen wir die 3-R- oder die 4-I-Methode. Sie soll aufzeigen, (1) wer den Bereich Wohnen in Potsdam (politisch und sozial) repräsentiert, (2) wer Zugang zu und Kontrolle über Ressourcen hat und (3) welche Gestaltungsmöglichkeiten es für wen in diesem Feld gibt. Den konkreten methodischen Ansatz wird die Gutachterin in Rücksprache mit der Projektleitung im Frauenzentrum entwickeln.

Zielstellung und Ausgangsfragen

Die Gutachterin wird herausarbeiten, wie Frauen als entscheidungsrelevante Akteurinnen in der kommunalen Wohnungspolitik gestärkt und Männer als gender-bewusste Akteure des sozialen Wandels einbezogen werden können. Welche Ansätze zur Integration einer Gender- bzw. intersektionalen Perspektive können in der Wohnungspolitik Potsdams erfolgreich sein? Welche Projekte können zu einer geschlechtergerechten nachhaltigen Wohnraumgestaltung beitragen?

Um dies herauszuarbeiten, sollen unter anderem folgende Fragen beantwortet werden:

  1. Über welche Möglichkeiten der politischen und sozialen Repräsentation auf kommunalpolitischer Ebene verfügen Frauen?
  • Zu welchem Anteil sind Frauen auf der kommunalen Ebene vertreten? In politischen Gremien (Parlament, Ausschüsse für Wohnen und Bauen)? In Verwaltungseinheiten und Behörden, im Gemeindevorstand?
  • Liegen geschlechtsspezifisch disaggregierte Daten zur kommunalen demografischen Entwicklung vor? Wird die Situation von wohnungs- und obdachlosen Frauen, geflüchteten Frauen, Frauen mit Beeinträchtigung, alleinerziehenden Frauen, Rentnerinnen, Studentinnen, etc. separat in den Statistiken erfasst?
  • Liegen kommunale Stadtentwicklungspläne oder wohnungspolitische Strategien vor? Liegen bereichsspezifische Planungen zum Städte- und Wohnungsbau vor, in denen auf Genderaspekte Bezug genommen wird?
  • Gibt es zivilgesellschaftliche Organisationen in Potsdam, die sich in die Wohnungspolitik und Stadtentwicklungsvorhaben einmischen? Sind Frauen und LSBTIQ hier präsent und kommen zu Wort? Gibt es Gender-Expert*innen zum Thema? Gibt es frauenspezifische Akteur*innen, die ihre jeweilige Gruppe im Bereich Wohnungspolitik repräsentieren (bspw. Women in Exile für geflüchtete Frauen oder andere für Frauen mit Beeinträchtigungen)?
  • Gibt es eine kommunale Debatte zu bezahlbarem Wohnraum und Wohnungsmangel? Kommt Gender, kommen Fraueninteressen darin vor?
  1. Über welche Zugangs- und Verfügungsrechte bei materiellen und immateriellen Ressourcen verfügen Frauen, Männer und LSBTIQ?
  • Wie sieht die rechtliche Situation von Frauen, Mädchen und LSBTIQ grundsätzlich aus? Welche Rechte sind für Frauen mit Beeinträchtigung definiert? Gibt es einen Aktions- oder Gleichstellungsplan in der LHP und im Land Brandenburg?
  • Welches sind die besonders kritischen Bereiche fehlenden oder ungleichen Rechts im Zusammenhang mit Ressourcenverfügung: Gibt es gleiches Erb- und Besitzrecht für Frauen? Wie regelt das Scheidungsrecht Fragen der Wohnstätte, Bleibe, Interieur?
  • Wirtschaft: Welche Rolle spielt die wirtschaftliche Situation in Potsdam für die Daseinsvorsorge der Menschen? Verdienen Frauen ausreichend, um sich Wohnen in Potsdam leisten zu können? Welche Gruppen unter den Frauen müssen einen besonders hohen Anteil ihres Einkommens für Wohnen aufwenden? Wie sind ihre Arbeits-, Lebens- und Wohnbedingungen? Verfügen sie über ausreichend Zugang zu passendem, bezahlbarem Wohnraum mit entsprechender öffentlicher Infrastruktur? Sind Frauen in ihrem Wohnraum sicher und vor Gewalt geschützt?
  • Gibt es Analysen oder verallgemeinerte Eindrücke zur Nutzung von öffentlichen Räumen durch Männer, durch Frauen/ LGBTIQ/Menschen mit Behinderungen? Wer ist – in welcher Erscheinungsform – präsent? Ist eine Gruppe raumgreifender als andere? Gibt es Nischen/Rückzugsräume? Gibt es ein Bewusstsein in der Stadtgesellschaft über eine ungleiche Verfügbarkeit von Raum? Gibt es eine Debatte darüber?
  • Gibt es Räume für Kommunikation? Wie werden diese von Frauen und Männern genutzt?
  • Sind Frauen/Gender-Expert*innen an Planungsprozessen beteiligt? Sind diese in Planfeststellungsverfahren öffentlich – auch für Frauen zugänglich?
  1. Verfügen Frauen, Männer und LSBTIQ über die gleichen Möglichkeiten, individuell und kollektiv ihre Lebensbedingungen zu gestalten? Wie werden Verantwortlichkeiten verteilt? Welche geschlechtsspezifischen Bedürfnissen und Interessen gibt es?
  • Wie sieht die gesellschaftlich gefestigte geschlechtshierarchische Arbeitsteilung im Land generell aus? Wer macht was?
  • Wie hoch ist der Anteil an Frauen in den zentralen Berufsfeldern der Wohnungspolitik, Stadtentwicklung und Raumplanung (Planer*innen, Architekt*innen)? Wie hoch in den dazu gehörenden Behörden und der Verwaltung?
  • Wurden jemals genderdifferenzierte Wohnungs-, Raum- und Stadtentwicklungskonzepte vorgelegt, die die unterschiedlichen Interessen von Frauen und Männern berücksichtigen?
  • Wie wird die Vereinbarkeit von Erwerbs-, Versorgungs- und Familienarbeit in der räumlichen Planung und Gestaltung berücksichtigt?
  • Gibt es geschlechterdifferenzierte Bestandsaufnahmen eines Standortes (für ein Bau- oder Umgestaltungsvorhaben)? Wie ist die Sozialstruktur des Gebietes (Alter, Armut etc.)?

Formale Anforderungen und erwartete Produkte

Die Genderanalyse soll im Zeitraum von Anfang September bis Ende November 2019 durchgeführt werden. Die Studie sollte spätestens zum 22. November 2019 vorliegen. Die Gutachterin erhält ein ausführliches Briefing durch die Auftraggeberin, der methodische Ansatz und ein Gliederungsentwurf für die Genderanalyse werden gemeinsam mit der Auftraggeberin entwickelt. In der Durchführungsphase werden regelmäßige Treffen der Gutachterin und Projektleitung im Frauenzentrum zur Zwischenauswertung stattfinden. Die Gutachterin wird bei der Vernetzung und beim Zugang zu Materialien durch die Projektleitung unterstützt.

Wir suchen eine*n Gutachter*in, die zu geschlechterpolitischen Fragestellungen gearbeitet hat und vertraut mit der Integration geschlechterpolitischer Ansätze in Fachthemen ist. Sie*er hat Erfahrung im Erstellen von Genderanalysen und Gutachten, verfügt also über analytische Stärke in diesem Bereich. Aus der Analyse sollen konkrete Handlungsempfehlungen abgeleitet werden. Sie*er sollte dementsprechend vertraut mit kommunalen Strukturen sein, im Idealfall konkret mit denen in Potsdam. Fachliche Expertise in den Bereichen kommunale Wohnungspolitik und Stadtentwicklung ist von Vorteil.

Wir freuen uns auf Ihre Angebote. Im Rahmen der Angebotsabgabe reichen Sie uns bitte folgende Informationen ein:

  • Darstellung der geplanten Methodik
  • Angaben zur Form der Präsentation der Zwischenergebnisse sowie der fertigen Genderanalyse
  • Zeit- und Maßnahmeplan zur Durchführung, inkl. der Abstimmung zwischen Projektleitung und Gutachter*in
  • Preiskalkulation der Gesamtleistung, inkl. Angaben zu gewünschten Teilzahlungen
  • Referenzen über ähnliche Leistungen und bisherige Erfahrungen

Es steht ein Budget von 17.500 Euro zur Verfügung. Dies entspricht 35 Tagessätzen á 500 Euro (alles inklusive). Bitte kalkulieren Sie Ihr Angebot im Rahmen dieser Budgetvorgabe.

Bitte senden Sie Ihr Angebot bis zum 7. August 2019 an kontakt@frauenzentrum-potsdam.de oder an Autonomes Frauenzentrum Potsdam e.V., Jana Mittag, Schiffbauergasse 4H, 14467 Potsdam. Die Angebote werden ab 8. August 2019 gesichtet. Die Gespräche zur Auswahl der Gutachter*in sowie zur Auftragsklärung finden zwischen dem 9. und 23. August 2019 statt.

Zu finden unter https://frauenzentrum-potsdam.de/frauenzentrum/offene-stellen/

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