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Rosa-Luxemburg-Stiftung: Studien «Digitale, öffentliche Plattformen für die Mobilitätswende», 26.6.

Ausschreibung für eine Studie; Angebotsfrist: 26. Juni 2020

Die Rosa-Luxemburg-Stiftung und Attac beabsichtigen die Vergabe von Honorarleistungen zur Durchführung einer Studie unter dem Arbeitstitel «Digitale, öffentliche Plattformen für die Mobilitätswende». Der Auftrag für die Studie wird als Werkvertrag mit einem Honorar von 10.000 Euro (brutto, inkl. projektbezogene Ausgaben) erteilt. Die Vergabe erfolgt bis zum 15. Juli 2020. Eine Fertigstellung des Endmanuskripts wird bis zum 15. September angestrebt.

Thema und Ziel der Studie

Im sogenannten Plattformkapitalismus steigt der Gebrauchswert der Plattformen mit der Zahl ihrer Nutzer*innen, was die Einstiegshürden für Konkurrenten sehr hoch setzt und ihnen eine neuartige Monopolstellung verleiht (Netzwerkeffekt). Kommerzielle Plattformen monopolisieren dabei eine Flut von Daten, was zu einer Enteignung allgemeiner Arbeit, dem Verlust persönlicher Rechte und der Beschränkung gesellschaftlicher Steuerungsfähigkeit führt. Öffentliche Institutionen wie Nutzer*innen geraten in Abhängigkeit von Konzernen mit Monopolstellung. Dies ist auch im Bereich Mobilität nicht anders.

Von Konzernseite gibt es bereits zahlreiche digitale Mobilitäts- und Sharingplattformen, etwa Carsharing von VW oder Daimler, Bike- und Scootersharing oder Google Maps. Die neuen Mobilitätsanbieter werden meist als Öffentlich-Privaten-Partnerschaften mit lokalen Verkehrsunternehmen entwickelt, stehen aber gleichzeitig auch in Konkurrenz zu ihnen. Erste Analysen deuten an, dass dies gravierende Nachteile mit sich bringt: Technologische Abhängigkeit und lock-in-Effekte, private Aneignung des öffentlichen Raumes, umstrittene Verfügung über die Daten in Konkurrenz zum ÖPNV etc. Ein erster Teil der Studie soll die Verbreitung von neuen Mobilitätsplattformen sowie ihre Auswirkungen auf öffentliche Verkehrsanbieter darstellen und kritisch beleuchten.

Zweitens soll in diesem Kontext die Eigentumsfrage thematisiert werden. Inwiefern können Mobilitätsplattformen als soziale Infrastrukturen und damit Bestandteil der öffentlichen Daseinsvorsorge (Fundamentalökonomie) betrachtet werden? Ist eine Vergesellschaftung der Daten und digitalen Infrastrukturen ein (auch rechtlich) gangbarer Weg? Wie kann regulatorisch sichergestellt werden, dass öffentliche Verkehrsunternehmen nicht als Verlierer der digitalen Verkehrswende enden, sondern stattdessen die Vorteile und Chancen digitaler Verkehrssteuerung für die Allgemeinheit bereitstellen? Wie ließe sich darüber hinaus ein sozialökologische, digital gestützte und demokratisch verwaltete Grundversorgung mit Mobilität für Stadt und Land denken?

Der Schwerpunkt der Studie soll daher auf den Funktionsprinzipien, Möglichkeiten und Bedingungen für alternative öffentliche (oder genossenschaftliche) Plattformen liegen. Dazu soll die Chance von demokratischen Alternativen zu privatwirtschaftlichen Plattformen unter besonderer Berücksichtigung von öffentlichen und selbstverwalteten Akteuren auf kommunaler Ebene («Plattformkommunalismus») untersucht werden. Der Fokus sollte dabei auf bestehenden progressiven Ansätzen und Best-Practice Beispielen liegen, die als Strategien für Stadtregierungen kommunizierbar sind.

Als Analysedimensionen der Studie sind die Bereiche ‹Daten› und ‹Arbeit› von herausragendem Interesse. So soll einerseits nach der Ausrichtung einer aktiven öffentlichen Datenpolitik gefragt werden, die im Spannungsfeld von Open-Data-Verpflichtung und Datensouveränität auf eine nachhaltige Bereitstellung von Daten und Algorithmen als Gemeingüter zielt, ohne dabei ihr eigenes Geschäftsmodell dem Profitinteresse Privater preiszugeben.

Andererseits sollen mit Blick auf die Arbeitswelt untersucht werden, inwiefern die Beschäftigten im öffentlichen Dienst als «Ermöglicher des Wandels» fungieren können und welches Potential demokratische Mobilitätsplattformen für emanzipatorische Selbstorganisierung aufweisen, etwa im Rahmen einer Art öffentlichen UBER als Ergänzung zum Nahverkehr.

Anforderungen:

Bewerber/innen verfügen vorzugsweise über einen Hochschulabschluss in Sozial- oder Politikwissenschaften, Informatik oder eine vergleichbare Qualifikation. Sie bringen ein starkes Interesse an linken und emanzipatorischen Perspektiven transformatorischer Alternativen mit, wie sie von den ausschreibenden Organisationen angestrebt werden. Bewerber/innen sind in der Lage, die im Rahmen dieser Positionen entwickelten Studienergebnisse aktiv zu kommunizieren.

Bewerbungen bitte mit Motivationsschreiben, Konzeptvorschlag, Arbeitsplan, Lebenslauf, ggfs. Zeugnisse und Referenzen. Es handelt sich um ein nicht-förmliches Verfahren.

Aussagekräftige Bewerbungen bitte bis zum 26.06.2020 an: Mario.Candeias@rosalux.org

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Veröffentlicht in Analyse / Forschung Konzeption Berlin und Umgebung NGO / Stiftung / Sozialunternehmen